Mit dem Begriff ‚Rohkost‘ verbinden die meisten Menschen wohl sofort ein Bild von langweiligen Möhrensticks, geschmacklosen Salatblättern und Gurkenscheiben – Lebensmittel, die nicht gerade die pure Geschmacksexplosion im Mund erzeugen. Doch die Rohkosternährung erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit, denn sie kann heutzutage durchaus kreativ, lecker und vielseitig sein. Wir von Feel-Veggie.de haben den neuen Ernährungstrend einmal genauer unter die Lupe genommen.

Raw-Food: ein neuer Ernährungstrend mit Tücken

Restaurants, in denen Lasagne, Pizza, Suppen und Co nicht erhitzt werden, sondern als Rohkostzubereitung an die Tische der Gäste gehen – das mag vielleicht im ersten Augenblick merkwürdig klingen, es läuft jedoch in einigen Raw-Food-Restaurants weltweit tatsächlich so ab. Doch es sind nicht nur die Raw-Food-Restaurants, die vor allem in Amerika scheinbar aus dem Boden schießen, sondern auch andere Dinge, die sich stark am Konzept der Rohkosternährung anlehnen. So gibt es beispielsweise auch Cafés, Messen, Vorträge, Seminare, Ausbildungen, Versandhändler und große Treffen (so genannte ‚Potlucks‘ und ‚Rainbows‘), die speziell auf Rohkost ausgerichtet sind. Durch guten Kommerz und positive Erfahrungsberichte hat sich die Rohkosternährung einen Namen gemacht und Tausende von Menschen – insbesondere jene aus den Industrienationen – haben diese Art der Ernährung mittlerweile für sich entdeckt. Sei es nur aus der Lust heraus, kurz einmal etwas Neues auszuprobieren oder um die Ernährung komplett auf Rohkost auszurichten, um damit womöglich Krankheiten heilen zu können und sich insgesamt fitter zu fühlen. Doch was genau essen diese Leute eigentlich? Sind sie wirklich mit rohem Gemüse glücklich?

buntes GemüseUm dies zu klären, sollte zunächst der Begriff Rohkost einmal betrachtet werden. Unter Rohkost fallen grundsätzlich alle Lebensmittel, die nicht auf eine Temperatur über 41 °C erhitzt worden sind. Bei einer höheren Temperatur werden unter anderen Vitamine und Enzyme zerstört und Eiweiße werden denaturiert. Zu Raw-Food können zum Beispiel Obst, Ölfrüchte, Gemüse, Algen, Pilze, Nüsse, Samen, Wildkräuter, Getreide und auch tierische Produkte wie rohe Eier, Rohmilchprodukte und rohes Fleisch zählen. Unter diese Gruppen fallen eine Fülle an Lebensmitteln, die sich ein Rohköstler einverleiben kann. Er kann die Lebensmittel sowohl mono verzehren als auch mehrere miteinander kombinieren und somit einige Zubereitungen aus der Kochkunst nachahmen. So lassen sich beispielsweise Schokolade, Kekse, Torten, Brot, Kräcker, Suppen und Gemüsegerichte auch in roher Form mit verschiedenen Geräten wie Mixern und Dörrgeräten sowie häufig exotischen Zutaten kreieren. Dazu bedarf es nur ein klein wenig an Kreativität oder eines jeweils guten Rezeptes. Aus diesem Grund kann Rohkost auch für Menschen, die nicht gern in pures Obst oder Gemüse beißen oder an Nüssen knabbern, sehr schmackhaft sein.

Wer sich für eine Ernährung entscheidet, die auf Raw-Food basiert, hat viele Möglichkeiten, diese auszuleben. Die Rohkosternährung kann unter anderen vegetarisch, vegan, omnivor, früchtebasiert, mit Wildkräutern, instinktiv als auch à la low-carb erfolgen. Es ist im Grunde genommen ähnlich wie bei der Ernährung mit gekochten Nahrungsmitteln: Den eigenen Bedürfnissen, Vorstellungen und Gesundheitsvorstellungen sind keine Grenzen gesetzt. Wer sich jedoch ausschließlich von Raw-Food ernähren will, sollte dies auf Dauer nicht ohne den Einsatz des Verstandes und genügend Fachliteratur tun, denn eine solche Ernährung kann auch schnell nach hinten losgehen. Zum einen ist es oftmals nicht einfach, nur rohe Nahrungsmittel zu essen, da viele Nahrungsmittel, die roh zu sein scheinen, gar nicht roh sind wie beispielsweise Cashewkerne, Paranüsse, Mangos, Avocados und Trockenfrüchte. Viele Nüsse und Trockenfrüchte werden stark erhitzt und einige Tropenfrüchte kommen vor dem Export durch ein heißes Wasserbad. Wer es genau nimmt, sollte dann also auf qualitativ hochwertige Produkte achten und sich gegebenenfalls mit den Erzeugern auseinandersetzen. Zum anderen kann eine einseitig durchgeführte Rohkosternährung schnell zu einem Nährstoffmangel führen. Besonders Eiweiß, Mineralstoffe wie Eisen, Jod und Zink, Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren werden von vielen Rohköstlern nur mangelhaft aufgenommen. Die Hauptgründe dafür sind, dass nährstoffreiche Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte (auch Sojaprodukte), Getreide und manche Gemüsesorten in roher Form nicht oder nur kaum verzehrt werden, da sie zu Unverträglichkeiten führen und der Verzehr von rohen tierischen Produkten, die alternativ viele Mineralstoffe und Eiweiß enthalten würden, meist auf Ekelgefühle oder einen ethisch begründeten Widerspruch stößt.

Wo liegen die Unterschiede zur vegetarischen und veganen Ernährungsform?

Raw-Food schließt eine vegane oder vegetarische Ernährungsform nicht aus, sondern kann sie durchaus gut integrieren. Die meisten Rohköstler ernähren sich sogar vegan und viele haben damit langjährige Erfahrungen gesammelt. Solche Menschen beziehen vor allem Früchte, Gemüse, Algen und Wildkräuter in ihre täglich Ernährung ein. Der entscheidende Unterschied zu einer allgemeinen veganen bzw. vegetarischen Ernährung ist jedoch, dass Rohköstler auch auf tierische Produkte zurückgreifen können und dass die vielseitigen Gerichte aus der veganen bzw. vegetarischen Küche in der Rohkost nicht erhitzt werden. Nahrungsmittel, die bei Vegetariern bzw. Veganern zum Beispiel sehr beliebt sind wie Sojaprodukte, Seitan, Tempeh, Hülsenfrüchte und vollwertiges Getreide können in roher Form nicht oder nur in sehr geringen Mengen verzehrt werden. Die Nahrungsmittelpalette wird also zu einem gewissen Teil eingeschränkt. Daher ist es ratsam, sich als ‚Rohkost-Veganer‘ regelmäßig ärztlich untersuchen zu lassen oder/und auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen, die einen Nährstoffmangel vorbeugen.

Rohkost – frisch, gesund aber auch risikobehaftet

Raw-Food ist eine Form der Ernährung, bei der Lebensmittel nicht auf über 41 °C erhitzt werden. Rohkost kann sich sehr gesund gestalten und zu einer fühlbaren Steigerung der geistigen und körperlichen Kräfte führen. Ob vegetarisch, vegan, omnivor oder früchtebasierend – sie kann sehr vielseitig durchgeführt werden. Einige Richtungen dieser Ernährung können jedoch auf Dauer zu erheblichen Mangelerscheinungen führen. Daher ist es bedeutsam, sich vor der Umstellung auf eine reine Ernährung mit Raw-Food ausgiebig mit der Thematik auseinanderzusetzen.